ab 22. April 2026
Fulvio Bianconi
– Die Sammlung Ursula und Rainer Losch
Der in Venedig tätige Künstler Fulvio Bianconi (1915–1996) hat über Jahrzehnte für verschiedene Glashersteller Gefäße, Objekte und Figuren entworfen. In unterschiedlicher Stückzahl wurden sie in die ganze Welt geliefert. Herausragend war dabei die Zusammenarbeit mit Paolo Venini, die zu mehreren Hundert Entwürfen geführt hat. In einem Zeitraum von dreißig Jahren hat das Sammlerehepaar Losch die weltweit umfangreichste und bedeutendste Sammlung mit gut 350 Werken von Fulvio Bianconi zusammengetragen. Eigens für die Sammlung Losch wurde im Untergeschoss des Glasmuseums eine neue Abteilung der Dauerausstellung eingerichtet.
Fulvio Bianconi war zunächst als Grafiker tätig. Er bebilderte Bücher, Firmenschriften und Programmhefte und trat als humorvoller Chronist und Karikaturist in Erscheinung. 1946 kam er bei der Gestaltung von vier Parfumflakons in Kontakt mit Paolo Venini und begann seine große Karriere als Glasgestalter. Er arbeitete für viele bedeutende Glashütten auf Murano und mit Roberto Niederer in Hergiswil in der Schweiz. Über vierzig Jahre entwarf Bianconi Glasgefäße und Figuren. Sein schöpferischer Einfallsreichtum, das Gespür für Form und Farbe sowie die Vielfalt der eingesetzten Techniken bei der Glasverarbeitung waren enorm, seine obsessive, zeichnerische Kreativität suchte ihresgleichen. Sein großes, hier erstmals in seiner ganzen Bandbreite vorgestelltes Werk an Glasobjekten ist in seiner Vielfalt singulär.
Drei exemplarische Objekte für das Schaffen Bianconis

Zu den frühesten Entwürfen Fulvio Bianconis für Venini zählt eine Gruppe von rund einem Dutzend Figurinen, die einen mythologischen Ursprung haben und als Fabelwesen auftreten, darunter die stilisierte Figur einer Meerjungfrau. Die Figur hat die Arme wie eine Tänzerin erhoben und biegt den Rücken weit durch. Unter dem Titel „Tanzende Sirene“ gelangte genau diese Figur 1950 als Schenkung der italienischen Regierung an das Brooklyn Museum in New York im Anschluss an die Eröffnungsausstellung „Italy at Work“. Das Museum entnahm sie im Jahr 1969 dem Bestand und veräußerte sie über seinen Museumsshop.
1951 präsentierte Venini bei der IX. Triennale in Mailand eine Gruppe von Vasen und Schalen nach Entwürfen von Fulvio Bianconi, deren farblose Wandung von einem locker gewebten Muster aus sich kreuzenden bunten Bändern durchzogen wurde. Sie verdanken ihren besonderen Charme der zufälligen Anordnung und kleinen handwerklichen Ungenauigkeiten. Als Scozzese bekannt, war die Serie äußerst beliebt und wurde über einen langen Zeitraum produziert. Zu Recht werden die Scozzesi in die Nähe abstrakter Kunstwerke verortet. Sie verkörpern die Quintessenz dessen, was die Entwurfstätigkeit Bianconis im Glas auszeichnete: interessante Formen, lebhafte Farben, eine Mischung aus Innovation, Traditionsbewusstsein und Humor.
Die lombardische Parfum-Manufaktur Gi.vi.emme (G.V.M.) beauftragte Fulvio Bianconi 1946 mit der Gestaltung von Flakons für ihre Duftserie „Vier Jahreszeiten“. Als Grundmotiv wählte Bianconi eine stilisierte Frau mit langem Kleid und Hut. Durch Änderung der Armhaltung, der Kopfbedeckung sowie der Glasfarbe riefen die Designs typische Assoziationen mit den jeweiligen Jahreszeiten hervor. Die vier Flakons wurden in ein Model mit gerippter Innenseite, Linienstruktur und Irisierung geblasen. Dabei dauerte die Herstellung von jeweils 500 großen Facticen (große Flakons zur Präsentation in den Verkaufsgeschäften) mehrere Wochen. Die in großer Zahl produzierten Gebrauchsflakons wie der hier gezeigte Flakon „Autumno sind mit ca. 20 Zentimetern deutlich kleiner. Diese vier ersten Glasentwürfe des jungen Grafikers, die Elemente antiker mediterraner Kunst und europäischer Avantgarde vereinen, veranlassten Paolo Venini, Bianconi als künstlerischen Leiter seiner vetreria zu engagieren.























© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 © Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg
Kunstsammlungen der Veste Coburg